Das Herz als Impulsgeber – Emotionen beginnen nicht nur im Kopf
- Sabrina Berger

- 8. Jan.
- 7 Min. Lesezeit
Beim Spruch: „Hör auf dein Herz!“, kann schnell vermutet werden, dass dieser sich ausschließlich auf Gefühle und Emotionen bezieht. Dabei sind diese Impulse vielmehr eine Reaktion unseres Gehirns auf Eindrücke, die wir erlebt haben. Unser Herz verfügt über die Fähigkeit eigenständig und Großteils schneller als unser Gehirn auf Reize von außen zu reagieren! Die Arbeit von Candia-Rivera und der Universität Pisa zeigt eine deutliche Dynamik zwischen Herz Aktivität und Gehirn Aktivität („top-down“ - Emotion entsteht im Gehirn und löst körperliche Reaktionen aus, oder „bottom-up“ – zuerst treten körperliche Reizreaktionen auf und die Emotion entsteht anschließend im Gehirn). Die Studie umfasst 62 gesunde Probanden, die mittels Simultane EEG- und EKG-Messungen emotionalen Videos ausgesetzt wurden (DEAP- und MAHNOB-Datensätze). Dazu wurden Selbstberichte zur Arousal (Erregung) und Valenz (Empfinden angenehm vs. unangenehm) erfasst. Zu diesen Daten wurde eine Richtungsanalyse der Interaktion über ein Synthetic-Data-Generation-Modell durchgeführt (Herz-Gehirn aufsteigend und Gehirn-Herz absteigend). Abschließend wurden die hochfrequenten und niederfrequenten HRV-Komponenten (HF-Band) ausgewertet.
Nach dem emotionalen Stimulus zeigte sich nach wenigen Sekunden eine klare Veränderung im Herzrhythmusmuster, insbesondere im hochfrequenten Bereich (HF-HRV). Die Veränderungen traten also vor den typischen Aktivitätsmustern im EEG auf, die im Gehirn mit emotionaler Verarbeitung verbunden sind! Aus den Daten geht eine starke Kopplung zwischen dem Herzrhythmusmuster und der EEG-Aktivität in Theta-, Delta- und Gamma-Bändern, besonders in den frontalen und parietalen Regionen. Die Herzrhythmusdynamik korreliert demnach mit dem berichteten Arousal (empfundenen Erregung im Herzbereich auf einen äußeren Reiz), nicht aber mit der Valenz (Einschätzung und Empfinden, nachdem der Reiz vom Gehirn interpretiert werden konnte).
HERZ ÜBER KOPF
Die Richtungsanalyse der Informationsimpulse zeigt, dass zunächst Impulse vom Herzen zum Gehirn aufsteigen (Reizreaktion und erste Impulsreaktion vom Herzen), sich koppeln und erst danach folgen absteigende, vom Gehirn modulierte, Impulse ans Herz, die Organe und Muskeln (Reizverarbeitung, Regulation von Körperzuständen, zweite Impulsreaktion vom Gehirn). So werden körperliche Antworten auf den Reiz reguliert und stabilisiert.

BEDEUTUNG FÜR DIE ENTSTEHUNG VON EMOTIONEN
Die Ergebnisse veranlassen zum Umdenken, dass Emotionen ausschließlich im Kopf/Gehirn beginnen. Sie unterstützen die Sichtweise, dass Emotionen vielmehr ein dynamischer Kreislauf zwischen Körper und Gehirn sind, wobei der erste Impulsgeber das Herz, der Darm oder das Gehirn sein kann! Emotionale Prozesse können demnach nicht nur anhand von Gemütszuständen, sondern auch durch Körpersignale interpretiert werden. Im Bereich der Psychosomatik habe ich schon oft erlebt, dass Klienten von starken Reizreaktionen im Bereich Herz, Lunge, Magen oder Darm sowie Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, starkes Schwitzen, und Ähnliches berichten, bevor die Emotion und somit der Zusammenhang, das Empfinden, die Gefühle und Gedanken gedeutet werden konnten. Die neuronale Reizverarbeitung kann auch vorwiegend im Unterbewusstsein stattfinden und die „Einsicht“ kommt erst später, nachdem der Körper bereits mitten im Prozess ist. Sollten auffällige Muster der Herzfunktion bestehen, ohne konkrete fachärztliche Diagnose, wäre es interessant, in oder nach welchen Situationen die Beschwerden auftreten. Emotionale Körperprozess werden tatsächlich sehr häufig als vermeintlich physische Gebrechen oder Erkrankungen gedeutet, die sich im Nachhinein als „rein psychisch“ bzw. „psychosomatisch“ herausstellen.
Ich unterscheide hier gerne zwischen „psychischen Störungssymptomen“ (vorwiegend neuronale Muster, die Psyche, Persönlichkeit und Lebensgeschichte betreffend) und „psychischen Reizreaktionen“ (vorwiegend das Nervensystem, den Hormon- und Stoffwechselhaushalt und System- sowie Zellprägungen betreffend). Beide Systeme können zwar schwer voneinander getrennt betrachtet werden, dennoch erlebe ich sehr häufig psychisch unglaublich starke und klare Menschen, die an heftigen psychosomatischen Symptomen leiden (bei Dauerstress gerät das hormonelle Gleichgewicht der Produktionsmengen unserer Hirnanhangdrüsen aus den Fugen, Folge sind mangelnde Reizkontrolle und Reizverarbeitung und damit verbundene Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Reizdarm, Stimmungsschwankungen, Nervosität und Unruhe, Angstzustände, Unsicherheit, depressive Verstimmung, etc. = Hyper-Arousal/Überreizung oder Hypo-Arousal/Abschalten Zustände).

Hyper Arousal – Überregung: Zustand anhaltender Überaktivität des Nervensystems, der durch Stress, Traumata oder psychische Belastungen ausgelöst wird und sich in körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Zittern, innere Unruhe, Reizbarkeit und Konzentrationsschwierigkeiten äußert. Dieser Zustand ist wie ein permanenter Überlebenskampf oder Fluchtreflex, selbst wenn keine unmittelbare Gefahr besteht, und kann zu einer starken verminderten Lebensqualität und Belastbarkeit führen (Dauerstress). Körperlich kann es zu Bluthochdruck, rasenden Herzschlägen (Tachykardie), starken Schwitzen, Brain Fog (Gehirnnebel), schnelle Kurzatmigkeit, Verdauungsproblemen und stärkerer Schreckhaftigkeit, etc. kommen.
Hypo Arousal – Abschalten: Zustand das Abschaltens oder Untererregung des Nervensystems, der oft eine Reaktion auf überwältigenden Stress oder Traum ist (Schockstarre, Antriebslosigkeit, Bewegungsverzögerung). Dieser Zustand ist von Gefühlen der Taubheit, Erschöpfung, Hilflosigkeit, mangelnde Motivation, Schwierigkeiten bei Treffen von Entscheidungen, Fokus Probleme, Depersonalisierung oder Dissoziation, Antriebslosigkeit und dem Gefühl festzustecken, nicht hoch zu kommen oder Hoffnungslosigkeit geprägt. Körperlich kann es sich durch einen niedrigen Blutdruck, langsamen Herzschlag und eingeschränkte Körperfunktionen äußern.
NEUROBILOGISCHE EINORDNUNG
Die aufsteigenden Signale des Herzens werden maßgeblich über afferente Nervenbahnen des Vagusnervs und barorezeptive Mechanismen (Negativ-Feedback-System, das den Blutdruck stabilisiert) an das Gehirn weitergeleitet (Barorezeptoren in der Aorten Wand und den Karotiden messen die Dehnung der Gefäßwände und melden Änderungen des Blutdrucks an das Gehirn = Reaktion des Parasympathikus oder Sympathikus zur Regulation der Herzfrequenz). Hier sind Netzwerke im Gehirn wie die Insula (Inselrinde, Teil des Großhirns, tief verborgen unter der Oberfläche, liegt von Stirn-, Scheitel- und Schläfenlappen überlagert, Funktion: Geschmack, Körperempfindungen wie Hunger und Durst, Schlucken, Sprache, Konditionierung von Hand- und Augenbewegungen, Empathie, Innenwelt und Reaktion auf die Umwelt), der anteriore cinguläre Kortex (windet sich um den Balken – Corpus callosum – und gehört funktionell zum limbischen System, Funktionen: emotionale Verarbeitung, kognitive Kontrolle, Schmerzregulation, Entscheidungsfindung, Motivation, Energiehaushalt, Bewertung und Belohnung, Steuerung von Herzschlag und Bluttdruck, ), die Amygdala (auch „Mandelkerne“ genannt, Verarbeitung von Emotionen insbesondere Angst und Wut, Bewertung äußerer Reize auf ihre Bedeutung, Emotionen, Einschätzung über Gefahr, Speicherung emotionaler Erinnerungen) sowie das Default Mode Networ (DMN, Ruhezustand- und Standardnetzwerk, Gruppe von Gehirnregionen, die bei Ruhe, bewusster Ausführung von Aufgaben, Achtsamkeit oder Meditation aktiv werden, Tagträumen, Selbstreflexion, Erinnerungen und Zukunftsplanung) beteiligt. Zusammen bilden sie das Central Autonomic Network (CAN), die funktionelle Schnittstelle zwischen Körperzustand und emotionaler Verarbeitung (Polyvagal Theorie, Porges und Neuroviszerale Integration, Thayer). Das HF-Band ist ein valider, aber nicht exklusiver Marker für vagal vermittelte Dynamiken (funktionale Sequenz Herz – Gehirn – Herz/Körper).
„Die Fähigkeit zur Selbstregulation und Reizverarbeitung ist die Grundvoraussetzung für innere Balance, Stabilität und Resilienz!“
HERZKOHÄRENZ TRAINING
Viele Menschen versuchen ihr Herz mit dem Versand durch mentale Denkweisen und Strategien zu beeinflussen, das funktioniert aber nur begrenzt, wenn der Herzrhythmus nicht mit reguliert wird – wie effektiv eine Methode zur Selbstregulation ist, messe ich in meiner Praxis mit einem speziellen Messgerät (Ermittlung der HRV-Kennzahlen im Protokoll,
Gerät: HeartMath emWavePro® Plus). Solange der Herzrhythmus unruhig bleibt und sich lediglich der Geist beruhig (Dynamiken des Unterbewusstseins oder festgefahrene Reizreaktionen), werden weiterhin instabile Signale an das Gehirn gesandt (Dauerstress Dynamiken). Wer lernt, seinen Herzrhythmus durch Atemtechniken, Neuromentaltraining und seelischer Aufarbeitung sowie Selbstreflexion zu harmonisieren, beeinflusst direkt die neuronalen Dynamiken im Gehirn und damit sein emotionales Erleben sowie die Körperreaktionen (Psychosomatik). Der Zustand der Herzkohärenz mit einem gleichmäßigen, geordneten Herzrhythmus Muster, sendet stabile, klare Signale an das Gehirn. Das kann emotionale Ausgeglichenheit, eine Steigerung der Reizkontrolle und Reizverarbeitung, klares Denken, Handeln und die Fähigkeit, in herausfordernden Situationen präsent zu bleiben, steigern. Genau hier setzen das Herz-Kohärenz-Training und HRV-Biofeedback an.

HERZ-INTELLIGENZ FAKTEN
Kommunikation mit dem Gehirn: A) neuronal (durch die Übermittlung von Nervenimpulsen), B) biochemisch (über Hormone und Neurotransmitter), C) biophysikalisch (über Druckwellen des Pulses), D) energetisch (durch Wechselwirkung im elektromagnetischen Feld)
Das “Herz-Gehirn”: eigenständiges, vom Gehirn unabhängiges kompliziertes Netzwerk mit verschiedenartigen Nervenzellen, Neurotransmittern, Proteinen und Hilfszellen
Nervenimpulse werden über den Vagusnerv und die Rückenmarksnerven an das Gehirn im Kopf gesendet (Eintritt über die Medula, Stammhirn - Organe und Körperfunktionen, Amygdala - emotionales Zentrum, Thalamus und Großhirnrinde - Fähigkeit zu vernünftigem Denken)
Produktion des Gleichgewichts-Hormons “atrial natriuretischer Faktor” (ANF) oder Atriopeptin in den Herzvorhöfen (Regulation: Blutdruck, Flüssigkeitshaushalt und Gleichgewicht des Elektrolythaushalt, hemmt die Ausschüttung von Stress-Hormonen wie Cortisol)
Produktion von Noradrenalin und Dopamin (Aufmerksamkeit steigern und emotionales Glücksempfinden)
Bei Gesunden sind Blutdruckwellen, Atmung und die Rhytmen des vegetativen Nervensystems koplex aufeinander abgestimmt = Herz-Kohärenz
Stärkstes elektromagnetisches (messbares) Feld im Körper (5000-mal stärker als das des Gehirns) und somit “Haupttakt Geber” im harmonischen Gleichgewicht (das Herzfeld wird derzeit mit einem “Magnetometer” auf einen Radius von ca. 3 Metern gemessen)
Eine gesunde Herzratenvariabilität (HRV) schwankt und passt sich den gegenwärtigen Anforderungen in Echtzeit an - das geschieht in 80% der Fälle noch bevor das Gehirn den Impuls verarbeitet (Prozess: Herzwahrnehmung - Fühlen, Gehirn und Organe informieren, dann Denken)
In 20% der Fälle sendet das Gehirn dem Herzen Impulse, dieses reagiert aber nicht immer darauf (selektierte, eigenständige Reaktionsweise)
Die Herz-Intelligenz sendet eine Botschaft und das Gehirn leistet Widerstand: “Warum? Wie? Wann? Wozu?”, um das Erlernte zu verteidigen!
HERZ-HIRN-DARM KOHÄRENZ
“NEGATIVE” Gefühle/Gedanken wie Frustration, Ärger, Angst, Einsamkeit und Stress lösen einen unregelmäßige und ungeordnete HRV aus. Der Sympathikus und Parasympathikus arbeiten nicht synchron, sondern gegeneinander (Kampf um die Kontrolle über den Herzrhythmus, die Blutversorgung des Herzens verschlechtert sich, dabei werden 1400 physikalische und chemische Körper-Reaktionen und mehr als 30 verschiedene Hormone und Neurotransmitter aktiv = Ausnahmezustand)
Folgen von Dauerstress: chronisch erhöhte Cortisol-Produktion (Stresshormon), beeinträchtige Immunfunktion, Erhöhung des Glukose-Spiegel + Hemmung von Insulin (Energie Nachschub fürs Gehirn), erhöhter Knochenschwund + Osteoporose, Reduktion der Muskelmasse, Bildung und Regeneration der Haut gehemmt, erhöhte Fettansammlung (besonders um die Taille und Hüfte = Cortisol-Stress-Bauch)
Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse: ca. 100 Millionen Nervenzellen (eigenständiges “Darm-Gehirn”), Verbindung zum Gehirn über den Vagusnerv und Infos des Mikrobiom-Milieu: Gesamtheit aller Mikroorganismen wie Bakterien, Archaeen, Viren, Pilze und Protozoen im Organismus
“POSITIVE” Gefühle/Gedanken wie Liebe, Wertschätzung, Annahme, Achtsamkeit und Anerkennung synchronisieren die Schwingungen zu einem inneren Gleichgewicht (innere Balance, Kohärenz, Harmonie)
Die Kopplung der Herz-Hirn Achse tritt genau dann ein, wenn der Herzrhythmus alle zehn Sekunden einen Zyklus vollendet (bei 0,1 Hz, Gefühl von intuitiver Klarheit und stärkeren Wohlgefühl)
Das “niedere Herz” = Erfahrungen, Prägungen, Bedingungen, Ängste, mangelnde Reizverarbeitung und Reizkontrolle, hohes Stressniveau
Das “höhere Herz” = Authentizität, soziale- und emotionale Reife, offen für Neues, Fokus im Augenblick, hohe, zielführende, sinnvolle Handlungsfähigkeit und Lösungsorientierung
Herzkohärenz bezeichnet einen Zustand, in dem Herz, Atmung und Gehirn im Einklang arbeiten. Dabei schlägt das Herz rhythmisch und harmonisch, was sich positiv auf Körper und Geist auswirkt. Durch langsames, regelmäßiges Atmen – etwa fünf bis sechs Atemzüge pro Minute – lässt sich dieser Zustand gezielt fördern. Herzkohärenz stärkt das Nervensystem, reduziert Stress und verbessert Konzentration, Wohlbefinden und emotionale Balance.
Affirmation: „Ich öffne mich allen Impulsen meines Körpers im Vertrauen, dass der erste und
somit existenziell für meine Gesundheit, mein Überleben und mein Wohlgefühl wichtigste
Reiz, seinen Weg zu mir finden wird. Meine Reizverarbeitungszentren sind dafür geboren
Impulse aufzunehmen, zu deuten und so zu verarbeiten, dass ich stets über das
Wesentliche informiert bin. Ich passe meine Reizreaktionen bewusst an den jeweiligen
Impuls an und treffe meine Entscheidungen zur Förderung meiner Stabilität, Klarheit und
harmonische Interaktion mit meinem Umfeld. Ich vertraue auf mein Herz, meine kognitiven
Fähigkeiten und mein Bauchgefühl!“
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