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Der Umgang mit Einsamkeit

Ein einsamer Mensch empfindet einen subjektiv wahrgenommenen schmerzhaften, als negativ empfundenen, Zustand der Abwesenheit bedeutsamer und sozial wichtiger Kontakt (definiert von Peplau & Perlmann 1982). Es fehlt das Gefühl der Zugehörigkeit, Stabilität und Sicherheit, durch das Fehlen stabiler Beziehungen (mangelnde Ansprache, Austausch, Wertschätzung, Begegnung, Zärtlichkeit, etc.). Dieses Gefühl kann auch auftreten, wenn wir gar nicht allein sind, uns aber dauerhaft missverstanden, fallengelassen, ausgegrenzt, nicht unterstützt, vernachlässigt oder ignoriert fühlen. Hier fehlt das Gefühl der Verbundenheit.





Einsame Menschen finden wir in allen Gesellschaftsschichten, an jedem Ort dieses Planeten und in allen Altersgruppen. Es spielt keine Rolle, wie der Bildungsgrad ist, ob man gut, mittelmäßig oder vielleicht sogar gar nicht ausreichend abgesichert ist, auch nicht wer uns derzeit umgibt (Partner, Familie, Nachbarn, Kollegen, die Natur, der Staat, etc.), fehlt es uns an lebenswichtigen Anteilen, die uns innerlich aufblühen lassen, verspüren wir zunächst ein Gefühl von Gleichgültigkeit, innerer Leere, emotionaler Erschöpfung und letztendlich Einsamkeit als Folge äußerer und innerer Isolation. Der Prozess der Einsamkeit kann schleichend, über viele Jahre hinweg oder ganz abrupt, durch einen Schicksalsschlag ins Leben treten. Unterschieden wird in A) vorübergehende Einsamkeit – kurzzeitiges Gefühl, durch Veränderung der äußeren Umstände (z.B. Trennung, Pandemie, Arbeitslosigkeit, etc.), B) langsamer Rückzug – Verringern oder kontinuierlicher Verlust von sozialen Kontakten, das Gefühl von Einsamkeit wird stetig stärker, und C) anhaltende Einsamkeit – hier bauen sich Gefühle der Ohnmacht, Resignation, Verzweiflung und extremer Unsicherheit auf. Dein Gehirn lernt das Gefühl der Einsamkeit, gewöhnt sich daran und bildet erlernte neurologische (Schmerz-)Muster. Bei anhaltender Einsamkeit von mindestens ein paar Monate bis Jahren, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden, um mit den Gegebenheiten umgehen zu lernen (Selbstregulation, Kompensation, bewusstes Verändern deiner Resonanz, etc.), damit präventiv einer Depression vorgebeut werden kann.


Einsamkeit hat viele Gesichter, manche davon können wir leichter annehmen und andere verursachen emotionale Schmerzen, die sich physisch real anfühlen (Verspannung, Beklemmung, Stechen in der Brust, inneres Zittern, Muskelschwäche, Erschöpfung, etc.), durch die Weiterleitung von Schmerzreizen im Gehirn über das Rückenmark und Zentralnervensystem (= Sympathikus Aktivierung). Nicht zu wissen, zu wem man sich in Gesellschaft setzen soll, WhatsApp Nachrichten, die unbeantwortet bleiben, eine Absage nach der anderen bei Verabredungen oder das Gefühl in der Familie des Partners nicht willkommen zu sein. Besonders schlimm wird diese Form der Ablehnung empfunden, wenn wir die Hintergründe nicht kennen oder (noch) nicht verstehen können, Lügen verbreitet werden und es in Mobbing ausartet. Fragen wie: „Warum passiert mir das? Was stimmt nicht mit mir? Warum meiden mich die anderen?“, können schnell zu Glaubenssätzen wie: „Menschen sind rücksichtslos, eiskalt, bösartig und gemein! Ich vertraue niemanden! Ich brauche keine Freunde! Allein geht es mir besser!“, etc. werden (= Aufbau von pseudo Schutzprogrammen, die uns vor den negativ empfundenen Gefühlen bewahren sollen).

 

Seelische Schmerzen durch andauernde Einsamkeit

Im Bereich des sekundär-somatosensorischen Kortex beginnt unser emotionales Schmerzempfinden, bei andauernden Einsamkeitszuständen oder intensiv empfundener Ablehnung und Kränkung, aktiv zu werden (Parietallappen deines Gehirns). Wir spüren durch das Gefühl der Zurückweisung aufsteigende Unruhe, Unsicherheit, Fahrigkeit (im Bereich des Cerebellums – Bewegungsabläufe, Koordination), wir verlieren das Gefühl für unsere üblichen Sozialkompetenzen („Wie gehe ich am besten in dem Fall mit meinen Mitmenschen um? Was hat mir bisher geholfen oder vielleicht sogar das Problem gelöst?“). Nichts der üblichen Strategien scheint zu funktionieren. Durch den inneren Druck können wir zusätzlich Heißhungerattacken oder Übelkeit bekommen (im Bereich der Inselrinde), unser Blutdruck steigt (erhöhter Puls), unsere Pupillen erweitern sich, die Luftwege öffnen sich und die Atmung wird schneller, bis hin zur Atemnot (Druck auf der Brust, Beklemmung), wir beginnen zu schwitzen, unsere Verdauung wird gehemmt (Durchfall, Reizdarm). Das CRH-Hormon (Corticotropes Realeasing Hormon) fördert bei Stress die Ausschüttung von NORADRENALIN aus dem LC-Neuronen (Locus coeruleus), welches die Produktion von ADRENALIN und NORADRENALIN im Nebennierenmark (Botenstoff, Stresshormon) aktiviert. GLUCAGON (Stresshormon, Bauchspeicheldrüse) fördert die CLUCOSE Produktion in der Leber (Insulin Hemmung, erhöhter Blutzuckerspiegel fürs Gehirn). Das Gehirn verlangt immer mehr Energie, bis die Reserven erschöpft und der Stoffwechsel gestört ist.

 

Schaffen wir einen Ausgleich und sind zur Selbstregulierung noch fähig, aktiviert sich der Parasympathikus. Unsere Pupillen verkleinern sich wieder, wir können klarer sehen, die Atemwege verengen sich, wir atmen langsamer und ruhiger. Der Blutdruck sinkt ab, die Verdauungssäfte in der Leber werden angeregt, was sich Verdauungsfördernd auswirkt (Aufnahme von Inhaltsstoffen). NORADRENALIN aus dem LC-Neuronen (Locus coeruleus) stimulieren die Ausschüttung von CRH und dieses setzt ACTH (Andrenocorticotropes Hormon) frei, welches die Sekretion von CORTISOL stimuliert (Stress-Ausgleichs-Hormon, Nebennierenrinde). Ich hatte schon einige Klienten, die diese Ups and Downs über viele Jahre bewältigt bzw. ertragen haben, bis ihre Ressourcen und energetischen Reserven aufgebraucht waren.

 

Hauptmerkmale:

 

·     Alleinsein: Beim Alleinsein geht es um die Abwesenheit anderer Personen, einen Moment für sich genießen zu können, Stille, Ruhe, Rückzug, Zeit zum Innehalten, Selbstreflexion und Verarbeitung von Erlebnissen und Emotionen, was nicht unbedingt negativ und in vielen Fällen sogar vorübergehend erwünscht sein kann. Nehmen wir uns Zeit für uns selbst, haben wir die Gelegenheit durch einen gesunden Abstand zu unserem Umfeld, unsere inneren Impulse deutlicher wahrzunehmen. Wir kommen wieder mehr in unseren persönlichen Biorhythmus und erhalten einen klareren Zugang zu unseren Bedürfnissen.

 

·     Emotionale Einsamkeit: Hier fehlt es an engen Bindungen (z.B. zu den Eltern, Geschwistern, einem Liebespartner, dem Haustier/Weggefährten, der Herkunft und Wurzeln, zu den persönlichen Werten, etc.), sozialen Beziehungen (z.B. zu Freunden, Nachbarn, Kollegen, etc.), Verbundenheit, Nähe, Intimität, Ansprache, gesehen und wahrgenommen werden, Sicherheit, Vertrauen und Geborgenheit, etc. – was wiederum eine nötige Basis für das Aufbauen von engeren Bindungen ist.

 

·     Soziale Einsamkeit: Bist du dir deiner sozialen Rolle, deiner Funktion im System, der Integration und der Stabilität deiner Beziehungen unsicher, kann dich dieses Gefühl in den Rückzug bis hin zur Isolation führen (Eremiten-Dasein). Wir wollen von Natur aus dazugehören, teilhaben, verbunden sein, unsere ähnlichen Ziele und Interessen teilen und dabei spüren, jemanden etwas zu bedeuten oder etwas Bedeutsames bzw. Sinnhaftes zu tun. Fühlen wir uns hingegen nutzlos, bauen wir einen mangelnden Selbstwert und somit Schutzprogramme auf, die uns vor der „bösen Außenwelt“ schützen sollen (= mangelndes bis gar kein Vertrauen in andere Menschen oder in sich selbst).

 

·     Soziale Isolation und Ausgrenzung: Diesen Zustand wählen wir nicht freiwillig, sondern erleben diese Form der auferlegten Einsamkeit als einen beklemmenden Zustand, aus dem wir einen Ausweg suchen (z.B. durch Mobbing, Diskriminierung, Sprachbarrieren, Ablehnung, Verleumdung, Rufmord, tiefe Kränkung, emotionale Verletzung, etc.). Wir versuchen aus dieser Spirale zu entkommen, indem wir (neue) Kontakte zu knüpfen versuchen (Überlebensinstinkt: "Gemeinsam ist man stärker!"). Solange wir uns handlungsfähig fühlen und dem Gefühl der Einsamkeit aktiv entgegenwirken können, ist das Gefühl „des Hungerns“ einigermaßen erträglich (Aufbau von Zuversicht). Wählen wir diesen Zustand freiwillig, weil wir beispielsweise Angst vor Menschen haben, diesen misstrauen, Schockerlebnisse verarbeiten müssen und uns in der Isolation (noch) wohlfühlen, überwiegt das Gefühl des „verschont Werdens“. Beklemmend und emotional stressig wird es, wenn wir dazu gezwungen werden und keine Möglichkeit besteht, aus dieser Misere auszusteigen (z.B., wenn die Schwiegerfamilie einen nicht akzeptieren will, Lügen verbreitet werden, Mobbing an der Tagesordnung steht und wir keine Möglichkeit haben, uns mitzuteilen, verteitigen oder zu positionieren).



"Einsamkeit kann emotionale und körperliche (Seelen-)Schmerzen verursachen!

Das geschieht im "sekundär somato-sensorischen Kortex" im Parietallappen deines Gehirns, dem Emotionalen-Schmerzzentrum.


Da es sich bei dem Gefühl der Einsamkeit um eine persönlich wahrgenommene Diskrepanz zwischen gewünschten und den im Alltag tatsächlich vorhandenen sozialen Beziehungen handelt, ist es hilfreich, sich zunächst auf der kognitiven und mentalen Ebene mit dem Begriff tiefer zu befassen. „Wie würdest du den Begriff Einsamkeit beschreiben und definieren? Welche Qualität wünschst du dir von deinen Beziehungen? Wo liegt die Grenze zwischen Geselligkeit, der Pflege von Kontakten, ein Teil eines aktiven Umfelds zu sein und dem Übergang in das Gefühl der Einsamkeit? Wie oft erlebst du dieses Gefühl bzw. ist es dir bekannt? Was hilft dir, wenn du dich einsam fühlst? Wie findest du wieder Anschluss, wenn du diesen suchst?“, etc.



Einsamkeit kann selbst gewählt (Wunsch nach Stille), durch ein provokantes Umfeld inszeniert (Ausgrenzung), ein Schutzprogramm deiner Seele, als Maßnahme gegen weitere (seelische) Verletzungen, oder auch durch einen Schicksalsschlag hervorgerufen, sein. Hinterfrage deine wahren Bedürfnisse und wie viel Kontakt und Beziehung (Intensität) dir zu anderen Lebewesen guttut? Eine bewusst gelebte Balance zwischen Stille, innerem Frieden, Freiheit, Verbundenheit und Verantwortung, kann dir helfen deinen unterschiedlichen Seelenanteilen den gebührenden Raum zu schenken.


Affirmation: »Ich lebe die Freiräume, die meine Seele zum Atmen braucht! Mein Herz ist offen und bereit für das höchste Maß an Wohlwollen, Empathie und Liebe, welche die Erde und das Licht zu bieten haben. Ich achte und ehre meine persönlichen Grenzen und die meines gewählten Umfelds. Mein Ego möchten den Umgang mit dem Wunsch nach Nähe und Abstand erfahren und leben lernen, worauf ich mich selbstbewusst einlassen möchte! Unnötige Enttäuschungen, Kränkungen, Verletzungen und missachtete Bedürfnisse wandeln sich im Licht der Klarheit in nährende Selbstliebe und Selbst-Achtsamkeit (strahle von innen heraus und umarme dich selbst einen Moment!).«



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